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15 Juni 2013

"Das Gebet ist die demütige Waffe der Gläubigen und kann die Herzen und die Geschichte verändern"

Die Homilie von Bischof Ambrogio Spreafico beim Gebet der Gemeinschaft Sant'Egidio für Syrien und für die entführten Bischöfe und alle Entführten und Opfer des Konflikts

 
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Am Freitag, den 14. Juni hat sich die Gemeinschaft Sant'Egidio mit zahlreichen Freunden in der Basilika Santa Maria in Trastevere zum Gebet für den Frieden in Syrien und für die Befreiung der Bischöfe von Aleppo, Mar Gregorios Ibrahim und Paul Yazigi, des italienischen Journalisten Domenico Quirico, der syrischen Priester Michel Kayyal und Maher Mahfuz und aller Entführten und Opfer des blutigen Konflikts in Syrien. Bischof Ambrogio Spreafico von Frosinone-Ferentino-Veroli stand dem Gebet vor. Hier seine Predigt über das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37).

Liebe Brüder und Schwestern,
am Beginn der Leidensgeschichte fordert Jesus die Jünger auf, in der Stunde des Leidens "zu wachen und zu beten". Unser Gebet heute Abend hat auch diese Bedeutung, damit in Syrien der Friede zurückkehrt. Ja, das Wort Gottes weckt uns aus dem Schlaf der Gewohnheit und Gleichgültigkeit, der das Leid fernhält und verbirgt und es vergessen lässt, das Wort Gottes hilft uns auch, vor allem eine Antwort im Gebet zu geben. Das Gebet ist die demütige Waffe der Gläubigen und kann die Herzen und die Geschichte verändern. Im Gebet werden die Fernen und Fremden zu Nachbarn, sie nähern sich uns, als wären sie hier unter uns. Heute denken wir vor allem an unsere lieben Freunde, für die wir jeden Abend und heute in besonderer Weise beten, die Bischöfe von Aleppo Mar Gregorios und Paul Yazigi, die seit fast zwei Monaten entführt sind und über die es keine Nachrichten gibt. Mit ihnen vertrauen wir dem Herrn auch den Journalisten Domenico Quirico, sowie den armenisch-katholischen Priester Michel Kayyal und den griechisch-orthodoxen Priester Maher Mahfuz an, die beide seit Februar entführt sind. Wir bitten Jesus, den barmherzigen Samariter der Menschlichkeit, von dem wir im Evangelium gehört haben, dass er bei ihnen stehenbleibe und ihnen bald Frieden und Freiheit wiederschenke. Gleichzeitig beten wir für das Land Syrien, mit dem wir so eng verbunden sind.

Liebe Brüder und Schwestern, im Gleichnis vom barmherzigen Samariter begegnet uns jedes Mal die leidende Menschheit. Ein verwundeter Mann liegt am Rand der Straße. Es gibt Millionen Flüchtlinge vor einem über zwei Jahre andauernden Krieg mit über 90.000 Toten, mit viel Leid und Schmerz, doch die Welt scheint wie der Priester und der Levit aus dem Gleichnis an all dem vorbeizugehen. Sie sehen den Menschen. Die tragischen Bilder aus Syrien sind unserer Welt nicht gänzlich unbekannt, obwohl die Kriege leider kein Aufsehen erregen und deshalb immer weniger darüber gesprochen wird, weil wir mit unseren eigenen Problemen beschäftigt sind. Doch manchmal sieht man etwas, bleibt jedoch nicht stehen und geht weiter. Kann unsere reiche Welt überhaupt noch mehr leisten, da sie sich in einer schweren Krise befindet? Was wollt ihr von mir, ich bringe schon Opfer für die anderen? Die Welt schaut ohnmächtig zu. Auch die beiden Personen aus dem Gleichnis bleiben nicht stehen und haben Wichtiges zu tun, sie gehen zum Tempel, um dem Herrn zu opfern.

Dann aber kommt ein Samariter, ein Fremder und vielleicht sogar ein Feind dieses verwundeten Mannes. Auch er sieht ihn, doch er geht nicht weiter, er hatte Mitleid und ging zu ihm hin, verband die Wunden und kümmerte sich um ihn. Sicher ist es schon etwas, wenn man in unserer von Gleichgültigkeit beherrschten Welt hinsieht, doch das reicht nicht. Nur das Mitleid unterbricht die Eile und die Herrschaft des Ichs und des Schaffens. Das Gefühl des Mitleids wird in den Evangelien allein auf Jesus bezogen. Es ist die Haltung einer Mutter gegenüber ihren Kindern, ein einzigartiges Gefühl, sodass die Sorge um den anderen größer wird als die um sich selbst. Dadurch führt man ein Leben für den anderen, wie für ein eigenes Kind. Herr, lehre uns das Mitleid, damit wir stehen bleiben und uns um das Leid und die Wunden der anderen sorgen. Herr, erfülle die Welt mit Mitleid, damit alle zumindest ein wenig stehenbleiben und lernen, ihren Blick und ihr Herz nicht von den Millionen Leidenden in Syrien und anderen Teilen der Welt abzuwenden.

Bleiben wir stehen wie heute Abend beim Gebet. Denken wir an die im Krieg Leidenden, empfehlen wir sie dem Herrn. Ich weiß, dass allabendlich in allen Gemeinschaften von Sant'Egidio auf der Welt seit fast zwei Monaten für die beiden entführten Bischöfe gebetet wird. Das ist wichtig! Dieses Gebet und das Gebet vieler dringt zum Herzen und in die Seele der Entführten und tröstet sie, es steigt zum Herrn als Bitte um Befreiung.

Nachdem der Samariter die Wunden verbunden hatte, bracht er den Mann in den Schutz einer Herberge. Liebe Brüder und Schwestern, möge die Kirche, mögen unsere Gemeinschaft und all unsere Gemeinschaften wie diese Herberge Orte sein, an denen die Wunden der Armen, der Leidenden und der vom Krieg betroffenen Männer und Frauen gepflegt werden. Das Gebet setzt Energien des Friedens und der Versöhnung frei: das ist die Geschichte dieser Gemeinschaft. Möge das auch für Syrien wahr werden!

Herr, sende deinen Frieden nach Syrien!

Herr, befreie die Entführten und schenken den Leidenden Trost!

 Ambrogio Spreafico


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