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SCHULE FÜR SPRACHE UND KULTUR

Die Sprachschule der Gemeinschaft Sant'Egidio wurde 1982 in Rom eröffnet und unterrichtete anfangs nur wenige ausländische Frauen, die zu Arbeitszwecken nach Italien gekommen waren. Sie wollten Italienisch lernen, um ihr Gastland zu verstehen und in Kontakt mit den Menschen zu treten. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese Schule für Sprache und Kultur ausgebreitet, denn sie wurde auch in Mailand, Novara, Genua, Florenz, Neapel und außerhalb Italiens in Deutschland und Belgien eröffnet. Allein in Rom haben bisher Zigtausende Schüler an den Kursen teilgenommen.

 

 



Der Hintergrund der ausländischen Schüler hat sich mit der Zeit sehr gewandelt, sodass sich auch die Schule verändert hat. Sie kommen aus über 120 Ländern, es gibt viele parallele Kurse, und zahlreiche Schüler besuchen auch über mehrere Jahre hinweg Aufbaukurse. Viele der Schüler äußern zudem den Wunsch, sich in die Gesellschaft einzugliedern und möchten daher die Sprache ihres Gastlandes gut beherrschen und auch seine Kultur kennen lernen. Das sind wesentliche Elemente für eine gelungene Integration. Für viele Kursteilnehmer, die teilweise dramatische Erlebnisse auf der Flucht oder in ihrer Heimat hinter sich haben, ist die Schule auch ein Ort, um über ihre Erfahrungen zu sprechen, neue Freunde zu finden und so ein neues Leben zu beginnen.

Gleichzeitig hat das Bedürfnis ständig zugenommen, nicht nur die Sprache des Gastlandes zu lernen, sondern auch mehr über das Land und über Wege zu einer gelungenen Integration zu erfahren. Viele Kursteilnehmer haben in ihren Heimatländern eine hohe Schulausbildung erworben und waren in qualifizierten Berufen tätig. In der neuen Heimat müssen sie sich überwiegend mit einfachen Arbeiten oder Gelegenheitsjobs durchschlagen und gleichzeitig ihre Familien unterstützen, die in ihren Ursprungsländern oft in großem Elend leben. Die Kurse möchten ihnen daher auch helfen, ein Grundwissen an europäischer Kultur und Gesellschaftskunde zu erwerben, um bessere Arbeitsmöglichkeiten zu finden oder Wege zu einer weiteren Fortbildung bei anderen Einrichtungen einschlagen zu können. Zudem möchte die Schule für Sprache und Kultur der Gemeinschaft Sant'Egidio einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer Kultur des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Sprache, Kultur und Religion leisten. Daher werden in der Schule neben den Kursen auch besondere Veranstaltungen kultureller und auch religiöser Natur angeboten, um dieses Ziel zu verfolgen und die Begegnung mit Einheimischen im neuen Gastland zu fördern.

  Für viele Ausländer aus osteuropäischen Ländern war in dieser Hinsicht beispielsweise die Beschäftigung mit der Geschichte Europas und ihrer Herkunftsländer wichtig. Von besonderem Interesse sind immer wieder Fragen des Weltkrieges und des Gedenkens an oft schwere Erfahrungen in Zeiten der Diktatur. Ein besonderes Thema nimmt dabei die Beschäftigung mit der Shoah ein, die auch von Bedeutung ist, weil in vielen Ländern Europas immer wieder Zeichen von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antigitanismus sichtbar werden. Die Gedenkveranstaltungen, die die Gemeinschaft Sant'Egidio in vielen europäischen Städten zu den Deportationen der Juden während des Zweiten Weltkriegs durchführt, sind ein besonderer Augenblick, um die ausländischen Freunde an einer Verarbeitung dieser Geschichte und grausamen Erfahrungen zu beteiligen und miteinander ein Gedenken zu pflegen, das die städtische und nationale Kultur bereichert.


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