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Reportage aus Kinshasa (DR Kongo) anlässlich der Einweihung des DREAM-Zentrums der Gemeinschaft Sant'Egidio zur unentgeltlichen AIDS-Behandlung im Stadtviertel Bibwa


 
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Reportage aus Kinshasa (DR Kongo)
anlässlich der
Einweihung des DREAM-Zentrums der Gemeinschaft Sant'Egidio
zur unentgeltlichen AIDS-Behandlung
im Stadtviertel Bibwa

14. Juli 2011
 

Das Leben in Kinshasa ist nicht leicht. Das kann nicht anders sein in einer 10 Millionen Stadt, die vielleicht noch mehr Einwohner hat, denn die letzte Volkszählung liegt weit zurück und nur eine Minderheit der Bewohner ist beim Einwohnermeldeamt registriert. Es gibt weder Kanalisation noch öffentlichen Verkehrsmittel, die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, man benötigt sehr viel Zeit, um von einem Stadtviertel in ein anderes zu kommen, weil es viel Verkehr und zahlreiche Baustellen gibt … Außerdem gibt es häufig weder Strom noch Wasser, obwohl das Land Energie aus Wasser bis nach Südafrika exportiert … Alles ist schwierig und teuer in Kinshasa, dessen Einwohner Experten für débrouille geworden sind, das ist die Kunst, sich ohne irgendwelche Mittel durchzuschlagen. Die heutige Lage der Stadt ist das Ergebnis einer langen Leidensgeschichte.
 
Die Leidensgeschichte eines großen Landes
Die heutigen Grenzen des Kongo wurden von Forschern festgelegt, die vom belgische König Leopold II. angeheuert wurden. Dieser machte das Land 1885 zum persönlichen Besitz. Das Überseeterritorium war so groß wie Europa, der Herrscher hat es nie besucht, sondern wenigen Handelsunternehmen anvertraut, die die Ausbeutung der Reichtümer betrieben und die Bevölkerung durch Zwangsarbeit dezimierten. Es kam zu einem internationalen Skandal, sodass das Eigentum 1908 von der Krone zum Staat überging. Die Belgier erfanden einen paternalistischen Kolonialismus und sahen in den Kongolesen ein Kindervolk, das schrittweise zur Reife geführt werden sollte - doch sehr langsam, denn die Unabhängigkeit wurde für 1996 geplant. Damals war Kinshasa, oder Léopoldville, das schöne Kin, das Schmuckstück der Kolonie, die Stadt zog sich am riesigen Kongostrom entlang und war von Europäern bewohnt. Bei Sonnenuntergang wurden die Stadttore für die Kongolesen verschlossen, die dort arbeiteten; sie mussten in die cité zurückkehren, die aus engen Gassen und armen Häusern für die Einheimischen bestand.

Die Geschichte entwickelte sich anders, als die Verwalter geplant hatten. Am 30. Juni 1960 musste König Albert das Land an den jungen und mutigen Führer Patrice Lumumba übergeben.

Ein riesiges Land mit gewaltigen und strategischen Reichtümern (Gold, Diamanten, Uran, Kobalt, Kupfer, Zinn, Koltan und vieles mehr) ging in die Hände eines Volkes ohne herrschende Klasse über, denn es gab nur wenige Akademiker und eine gefährliche Tendenz zu sozialistischen Ideen. Diese Gefahr war zu groß.

Der Demokratieprozess wurde unterbrochen, Lumumba entführt und ermordet und das Land einem jungen Militär übergeben, der es zu seinem persönlichen Herrschaftsbereich machte: Joseph Mobutu, le roi du Zaire, ein Freund des Westens und schon bald einer der Reichsten der Welt. Seine Diktatur wurde erst nach einem langsamen Niedergang Mitte der 90er Jahre durch die Armee von Laurent Desiré Kabila beseitigt. Das war kein schmerzloser Übergang. Mit den ehemaligen befreundeten Nachbarn Ruanda und Uganda kam es zu einem langen und blutigen Konflikt mit mindesten drei Millionen Opfern, der das Land viele Jahre spaltete. Kabila wurde 2001 ermordet, seine Nachfolge trat sein junger Sohn Joseph an, der noch heute Präsident ist.

Das Friedensabkommen von 2005 führte zur Demokratie mit dem Referendum über die Verfassung und politische und kommunale Wahlen. Heute wartet die Demokratische Republik Kongo auf die Präsidentschaftswahlen, die für den kommenden November vorgesehen sind, während die chinesische Anwesenheit im Land überall sichtbar ist und mit einem milliardenschweren Vertrag über die unbegrenzte Ausbeutung der Bodenschätze geregelt ist.

Notfall Kinshasa

Kin la belle erlebt 1990-91 einen Zusammenbruch. Zweimal kommt es wegen unbezahlter Löhne zu Pillages, Plünderungen, durch Soldaten der Präsidentengarde Mobutus, die Zerstörungen in der Stadt anrichten. Es folgen schwierige Jahre. Millionen Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten strömen in die Stadt. Neue provisorische Barackenviertel entstehen auf den sandigen Anhöhen am Stadtrand. In der Regenzeit fordern Erdrutsche und Einstürze zahlreiche Opfer. Das von Mobutu aufgebaute Sozialsystem bricht zusammen. Die vorher fast allen zugängliche Schule und Gesundheitsversorgung werden für die Mehrheit der Bevölkerung unerreichbar. Alles muss bezahlt werden, auch der Notarzt, sodass heute nicht einmal die Verwundeten der vielen Verkehrsunfälle behandelt werden, wenn sie nicht sofort bezahlen.

Unter diesen Umständen nimmt die Zahl der pseudochristlichen Sekten stark zu. In den Gesangs- und Gebetssitzungen versprechen die "Pastoren" den Gläubigen Heilung, Hilfe und materiellen Wohlstand. In allen Familien finden sie Urheber für das Böse und Schwierigkeiten, für Trauer und Krankheit, für Arbeitsplatzverlust oder nicht erhaltenes Visum: einen sorcier oder Hexer, der bestraft werden muss.

Immer wird der Schwächste ausgewählt, der sich nicht wehren kann: der Älteste oder Jüngste. Die Pastoren haben die Kinois (Bewohner von Kinshasa) davon überzeugt, dass Unheil und Unglück keine physischen oder natürlichen Ursachen haben, sondern anderweitig hervorgerufen werden. Man darf sich dem sorcier nicht nähern, ihn berühren oder ihm helfen. Sonst besteht "Ansteckungsgefahr" und der böse Geist wird übertragen. 60.000 Straßenkinder sind  nach Schätzungen Opfer dieser Mentalität. Der Hexerei beschuldigte Kinder und alte Menschen müssen daher an Sitzungen mit Austreibungen teilnehmen und erfahren Gewalt, sodass sie aus dem Haus und dem Stadtviertel vertrieben werden, wo sie leben. Gegenüber alten Menschen gibt es ein verbreitetes Vorurteil: Ihr hohes Alter erleben sie auf Kosten anderer, denen sie das Leben rauben.

In Kinshasa gibt es nicht nur das. Sie ist auch eine junge Stadt mit zahlreichen weiterführenden Schulen, Universitäten und Hochschulen. Es gibt viele Baustellen und Projekte, großen Reichtum im Zusammenhang mit den Bodenschätzen. Wer die richtigen Beziehungen hat, kann sich Zugang verschaffen. Doch das ist nicht einfach, unter den Jugendlichen wachsen Enttäuschung und Wut.  

 Mit der Gemeinschaft, eine alte Freundschaft

Kongo hat Anfang der 90er Jahre an die Türen von Sant'Egidio geklopft. Sofort wurden die Türen geöffnet und freundschaftliche Aufmerksamkeit gewährt. Der Name der Gemeinschaft ist im Land sehr bekannt. Daran erinnerte der Gesundheitsminister in seiner Rede bei der Einweihung des DREAM-Zentrums in Bezug auf die Friedensarbeit. Der Erzbischof von Kinshasa, Kardinal Monsengwo, besuchte Sant'Egidio, als er Bischof der ville martyre Kisangani war und der nationalen Konferenz vorstand, die den Übergang von der Diktatur zur Demokratie plante.

Beide Präsidenten, Kabila Vater und Sohn, waren in Sant'Egidio zu Gast, als die langen und schwierigen Verhandlungen über die verworrenen Hintergründe der Spannungen und Konflikte im Osten des Landes: Über die Aktivitäten der Interhamwe-Milizen im Kongo, die aus Hutus aus Ruanda zusammengesetzt sind und die für den Genozid in Ruanda 1994 verantwortlich sind. Diese Verhandlungen führten zu einer wichtigen Vereinbarung, die noch umgesetzt werden muss. Dann entstanden nach 2000 örtliche Gemeinschaften von Sant'Egidio in Bukavu, Goma, Kinshasa, Lumbumbashi und anderen Städten. Endlich wurde auch das DREAM-Programm mit zwei Zentren in Mbandaka und nun in Kinshasa jeweils mit biomolekularen Labors eingerichtet.


Das DREAM-Zentrum von Mandaka
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Das DREAM-Zentrum von Kinshasa
News zum Nachlesen

 Das DREAM-Zentrum von Kinshasa

Die Einweihung des DREAM-Zentrums wurde um unvorbereitet um einen Tag vorgezogen, um die Anwesenheit des Präsidenten der Republik zu ermöglichen.

Floribert alla Scuola della PaceFloribert in der Schule des Friedens
(rechts vorn)

Der 8. Juli war genau der Jahrestag des Todes von Floribert Bwana Chui, eines jungen Mannes und Mitglieds der Gemeinschaft Sant'Egidio. Er war Zollbeamter in Goma, wurde entführt und ermordert, weil er verdorbene Lebensmittel zurückgewiesen hatte und sich nicht bestechen lassen wollte, was normalerweise sehr verbreitet ist. Er wollte das Leben und die Gesundheit der Menschen nicht gefährden. Deshalb beugte sich Floribert nicht der Diktatur des Materialismus, dem Gewinndenken und dem Kampf ums Überleben auf Kosten der anderen, die das menschliche Zusammenleben dieses wunderbaren Landes vergiften und vernichten. Sein Opfer war nicht vergebens.

Marco Impagliazzo sagte zur Gemeinschaft von Kinshasa: "Aus dem Tod eines Christen ersteht die Auferstehung eines Volkes".

 IIn DREAM ist alles unentgeltlich und auf den Schutz des schwachen Lebens und den Sieg über das Todesurteil hin ausgerichtet.

Über die Einweihung des Zentrums im Stadtviertel Bibwa wurde im Fernsehen und in nationalen Zeitungen voll Staunen berichtet, das auch bei den vielen Rednern bei der Feier zu spüren war.

Die Einrichtung steht im Kontrast zu den üblichen Institutionen, denn sie bietet in einem abgelegenen und vergessenen Ort eine Behandlung und Diagnostik auf höchstem Niveau. Bibwa liegt im Osten von Kinshasa noch weiter entfernt als der Flughafen, dort leben die vom Stadtzentrum vertriebenen Armen oder Immigranten aus dem Randregionen und finden Zuflucht, ohne jedoch über irgendwelche Gesundheitseinrichtungen zu verfügen.

Die Unentgeltlichkeit der Angebote ist im öffentlichen Einrichtungen der Stadt vollkommen ungewöhnlich und wird von den Menschen mit solchem Unglauben aufgenommen, dass überall Schilder mit der Aufschrift ici tout est gratuit angebracht werden mussten.  

Der Besuch der Gemeinschaft aus Rom war eine wichtige Ermutigung angesichts der Anfragen und der Arbeit der örtlichen Gemeinschaften von Sant'Egidio, die in der Berufung vereint sind, das Evangelium am Rand der Stadt an der Seite der Kinder und der ausgegrenzten alten Menschen zu leben und den Jugendlichen den deutlichen Vorschlag einer Alternative zum einzigen Denken anzubieten, das sich nur ums Geld, um den Verdienst und die Versuchung dreht, das Glück im Ausland zu suchen.

Darüber wurde in der bewegenden Versammlung der Gemeinschaften von Sant'Egidio aus Kinshasa gesprochen, in der Marco auf fünf Zeichen hinwies, die das Leben der Gemeinschaft im Kongo prägen soll: der Heilige Geist als Geschenk von Pfingsten, das Martyrium von Floribert und die Auferstehung, die Unentgeltlichkeit (ici tout est gratuit), der Traum (dream) und die Peripherie. 

Auch der Besuch bei den alten Menschen im home des viellard war sehr eindrucksvoll. Dieser Dienst ist neu und möchte auf eine sehr große Herausforderung antworten. Bei dem Besuch hat man die kulturelle Bedeutung dieses Dienstes besser verstanden, der die "ausgegrenzten" alten Menschen durch öffentliche Feste, den Verweis auf ihren Erinnerungsschatz und die dauerhafte Verbundenheit mit jungen Menschen in den Mittelpunkt des Lebens der Stadt stellen möchte. Gleichzeitig wurde deutlich, dass medizinische Behandlung und Ernährungsfürsorge für alle armen Menschen in einem Stadt vonnöten sind, in dem es praktisch kein Rentensystem gibt. 

Am Ende dieser intensiven Tage tun sich für Kinshasa Perspektiven der Heilung und der Hoffnung auf, das ist ein Segen für eine Stadt, die zu lange nur von der Sehnsucht nach einer glorreichen Vergangenheit gelebt hat.

 Fotos vom DREAM-Zentrum in KINSHASA (repubblica.it)

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